05. - 06. Januar 2020, von 10:00 - 17:00 Uhr

Fotograf Ingo Dumreicher

Ihr Hochzeitsfotograf Ingo Dumreicher

Was macht die Hochzeitsfotos, die Sie machen so persönlich? Wie gehen Sie auf die einzelnen Paare ein?
Bevor es überhaupt zum Auftrag kommt, ist ein Vorgespräch mit den künftigen Eheleuten unabdingbar und auch erstes und wichtigstes Entscheidungskriterium für die Wahl des Fotografen: Die Chemie muss stimmen. Je sympathischer sich Fotograf und Brautpaar sind, desto besser, natürlicher und entspannter ist das Fotoshooting und im Ergebnis natürlich auch die Bilder selbst.
Ein (Hochzeits-) Foto spiegelt nämlich immer auch die Beziehung zwischen Brautpaar und Hochzeitsfotograf wider. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Fotograf es versteht, sich voll und ganz auf das Brautpaar einzulassen. Sein wichtigster Job ist es aber, dafür zu sorgen, dass sich die beiden während des Fototermins rundum wohlfühlen, entspannen und das Shooting sogar genießen können. Denn meiner Meinung nach ist es ein Garant für gelungene Bilder, wenn das Paar so natürlich und locker ist, wie möglich. Gerade bei Hochzeitsportraits kommt es darauf an, dass diese nicht gestellt aussehen, sondern das Brautpaar vollkommen authentisch und lebendig darstellen.

Was macht meine Fotos nun so persönlich?
Durch meine ungezwungene, heitere und offene Art versuche ich gerade in den ersten Minuten jeden Stress vom Brautpaar zu nehmen. Mir ist sehr bewusst, dass sie an ihrem großen Tag voller Erwartungen und Wünschen sind, unter dem Druck stehen, sich selbst und den Gästen einen einzigartigen und unvergesslichen Tag bereiten zu wollen und daher alles andere als entspannt sind. In dieser Haltung können freilich keine ungezwungenen Bilder entstehen. Erst wenn ich das Paar davon überzeugt habe, dass ich gerne die Verantwortung für gelungene Fotos übernehme und sie sich ganz "fallen lassen" können, fällt der Stress von ihnen ab. Jetzt erst werden Hochzeitsfotos authentisch! Durch meine Erfahrung aus knapp 300 Hochzeitsshootings fällt es mir leicht, dem Brautpaar - sofern sie dies wünschen - ganz klare Anweisungen zu geben und mit viel Bestätigung Sicherheit zu vermitteln. Das alles führt dazu, dass sich die beiden auf das Wesentliche beschränken können: Ganz sie selbst zu sein. Wenn dies geschafft ist, entstehen die wundervollsten Bilder ganz von allein.

Wie sehen diese Bilder aus? Sind Sie den ganzen Tag, bei Trauung und der Feier dabei? Wie verpassen Sie keinen wichtigen Moment?
Im Idealfall ist es so, dass die Bilder die Sicht eines Gastes zeigen, der stets mitten im Geschehen ist und nichts verpasst, ohne sich dabei aber in Szene zu setzen und immer unauffällig im Hintergrund bleibend. Gerade diese vermeintliche Unbeobachtetheit verleiht den Bildern die gewünschte Wirkung von Echtheit und Lebendigkeit. Nichts wirkt gestellt oder konstruiert. Die Bilder zeigen das, was passiert: Ein glückliches Ehepaar an einem ihrer schönsten Tage im Leben.
Wie lange ich das Paar begleite, hängt vom Wunsch der Auftraggeber ab. Manche Kunden wünschen lediglich das Schießen der Hochzeitsportraits und die Dokumentation der kirchlichen oder standesamtlichen Trauung, andere wiederum buchen mich den ganzen Tag von der "Brautentstehung" bis spät in die Nacht. Dazwischen ist alles möglich. Letztendlich ist es sicherlich auch eine Frage des Budgets, das für den Hochzeitsfotografen zur Verfügung steht.
Nach knapp 300 fotografierten Brautleuten kennt man den Ablauf dieses wichtigen Tages eigentlich im Schlaf (lacht). Ich weiß, was der Kundschaft wichtig ist, kenne alle Highlights eines solchen Tages und weiß, wann diese stattfinden. Außerdem bin ich neugierig. Und ein absoluter Fan von echten Emotionen. Ich sehe es als persönliche Herausforderung, genau diese, echten Emotionen aufs Bild zu bringen. Das ist nicht nur das, was zwischen dem Brautpaar passiert, sondern auch das gähnende Kind in der Kirche, die verrückten Gäste während diese lustige Fotos fürs Gästebuch von sich selbst schießen oder die Brautmutter, die sich mit einem Taschentuch die Tränchen aus dem Augenwinkel tupft. Auf solche und viele andere Situationen bin ich fokussiert und finde diese auch. Ebenso wichtig sind die ganzen kleinen Details, wie der Blumenschmuck in der Kirche, das Kirchenheftchen, die Trauringe, Menükarte und Tischdekoration, um nur ein paar wenige zu nennen. Da ich meine Hochzeiten stets mit zwei Profikameras und unterschiedlichen Objektiven gleichzeitig fotografiere, erwische ich selbst spontanste Geschehnisse, da ich nie damit beschäftigt bin, gerade mal eben das passende Objektiv zu suchen.

Und das Hochzeitsshooting? Welche Möglichkeiten gibt es da? Wie sieht es ganz klassisch, wie total ausgefallen aus?
Glücklicherweise kommen eigentlich fast nur Kunden zu mir, die die etwas ausgefalleneren Bilder haben möchten. Ein klassisches Hochzeitsshooting im Studio biete ich zum Beispiel überhaupt nicht an. Wer das möchte, muss sich einen anderen Fotografen suchen. Wie oben schon mehrfach erwähnt, ist mir das "echte" Foto extrem wichtig. Die Bilder sollen aussehen, als würde ich das Brautpaar beispielsweise beim Spaziergang oder einfach nur beim Flirten in einer völlig normalen Umgebung erwischen. Das wäre in einem "sterilen" Fotostudio einfach nicht machbar. Wie stark ausgefallen die Hochzeitsportraits werden sollen, hängt ausschließlich vom Brautpaar und den gegebenen Umständen ab. Ich selbst bin jedenfalls für jeden Unsinn zu haben (lacht) und freue mich über jedes Paar, das sich traut, vom klassischen Hochzeitsbild abzuweichen. Am ausgefallensten ist aber sicherlich das immer stärker in Mode kommende "Trash-the-dress-Shooting", bei dem es eigentlich keine Grenzen gibt. Hier ist alles erlaubt. Vom gemeinsamen Plantschen im Stadtbrunnen - MIT originalem Hochzeitsoutfit versteht sich - bis hin zum schmutzigen Schrottplatz oder Kieswerk als Location. Oftmals muss hier natürlich das Brautkleid oder der Anzug leiden und ist anschließend möglicherweise nicht mehr zu gebrauchen. Was aber bleibt, sind VÖLLIG außergewöhnliche Bilder, die man sicher noch den Urenkeln voller Stolz zeigen wird. Ganz im Gegensatz zum Weddingdress, für das sich in 20 Jahren sicher keiner mehr interessieren wird.

Sie haben auch das Titelbild unseres Messemagazins geschossen - was war an diesem Shooting so besonders?
Besonders war natürlich das Brautpaar. Lena und Steve waren total locker, gut drauf und hatten auf "langweilige" Bilder natürlich überhaupt keine Lust. Allerdings waren die Voraussetzungen gar nicht so ideal für richtig gelungene Hochzeitsportraits. An diesem Tag nieselte es leicht und ich sollte an einer Location fotografieren, die ich vorher noch nie zu Gesicht bekam. Dennoch gelang es uns, in einer Stunde (das reicht mir in der Regel völlig) richtig coole Bilder zu schießen. Den tollen Sprung, den die beiden auf dem Foto hinbekommen haben, mag ich ganz besonders. Man sieht Steves "Chucks" und den echten Spaß, den die beiden während des Shootings hatten. Außerdem find ich die beiden auch in ihrer Art richtig gut getroffen. "Normal" und "langweilig" kennen die beiden irgendwie nicht. Und genau das drückt auch das Bild aus.

Was war das außergewöhnlichste, was sie als Fotograf bei einer Hochzeit erlebt haben?
Außergewöhnliches gibt es eigentlich auf fast jeder Hochzeit. Sehr lustig fand ich aber die folgende Situation, die allerdings schon einige Jahre zurückliegt: Stellen Sie sich einen etwa 75-jährigen, erzkonservativen katholischen Pfarrer vor, der eine recht traditionelle Trauzeremonie im Freien abhält. Mitten in der Trauung klingelt laut ein Handy und die Welt scheint für einen Augenblick stillzustehen. Prüfende Blicke. Wer ist derjenige, der sein Handy nicht ausgeschalten hat und die Situation derart stört? Ich konzentriere mich auf den Pfarrer, von dem ich tötende Blicke erwarte. Wieder vergehen einige Sekunden, bis der Pfarrer höchstpersönlich in aller Seelenruhe seinen laaangen Umhang hochrafft, unter den Rock greift und sein eigenes Handy ausschaltet. Schallendes Gelächter. Unbezahlbar. :-)

Eine extrem witzige katholische Trauung erlebte ich auch einmal in München: Dort wurde ein "gestandener" Oberbayer mit einer "gestandenen" Fränkin getraut. Der oberbayrische Pfarrer brachte zu diesem Anlass frankenfeindliche Kalauer, die er wild gestikulierend und hektisch auf- und abschreitend zum Besten gab und somit den Altarraum zur persönlichen Showbühne umfunktionierte. Brautpaar und Gäste haben sich vor Lachen über die treffsicheren Pointen gebogen und kamen gar nicht nach, sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Für nicht weniger Spaß sorgte der nervöse Bräutigam einer anderen Hochzeit, der, anstatt den Trauspruch nach Aufforderung durch den Pfarrer aufzusagen, einfach geistesabwesend "Amen" sagte. Auch hier hatte ich am nächsten Tag Muskelkater im Bauch vor Lachen.

Wie bewahren Ihre Kunden die Fotos am liebsten auf?
Die Kunden bekommen Ihre Bilder von mir ja auf einer oder mehreren DVDs ausgehändigt. Natürlich gehe ich davon aus, dass diese also gut aufbewahrt werden. Im eigenen Interesse der Brautleute hoffe ich aber, dass die Bilder zusätzlich auch auf dem heimischen PC oder MAC gesichert werden, da DVDs zwar eine sehr lange Haltbarkeit haben sollen (ca. 10 Jahre) aber dennoch nicht 100%ig gegen Kratzer oder andere Einflüsse geschützt sind.
Immer häufiger werden eine Auswahl der besten und schönsten Bilder nun auch in ein Fotobuch gedruckt, das heutzutage ja nicht mehr die Welt kostet und oftmals auch selbst erstellt werden kann. Sollte das Brautpaar selbst nicht die Zeit/Lust oder die Möglichkeit haben, ein spannendes Fotobuch zu gestalten, biete ich das selbstverständlich auch gerne an.